Verabschiedung der Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2019 im Rahmen des Abiballs in der Barbara-Künkelin-Halle

Am Abend des 06. Juli 2019 erhielten die Abiturientinnen und Abiturienten des Max-Planck-Gymnasiums in Schorndorf ihr Reifezeugnis in feierlichem Rahmen überreicht.
Nach der Ansprache durch den Schulleiter Markus Wasserfall, vielen guten Wünschen für die Zukunft, die die Elternvertreterin Frau Wrobel überbrachte, und der Scheffelpreisrede von Ellen Meyberg konnten 70 Abiturzeugnisse, davon 23x mit der 1 vor dem Komma, übergeben werden. Erfreulich: Ein Schüler sowie eine Schülerin mit Note 1,0. 18 Preise für sehr gute Leistungen, 7 Belobungen für gute Leistungen und insgesamt 19 Sonderpreise konnten ebenfalls verliehen werden.

 

 

Scheffelpreisrede 2019

Bitte mitdenken!
Die Gerade, die die Flugbahn des Passagierflugzeuges F1 beschreibt, verläuft durch die Punkte Q1 (2 5 0) und Q2 (3 8 2), wobei Q1 zum Zeitpunkt t0 = 0s passiert wird und Q2 drei Minuten später. Bundeswehrflugzeug F2 startet zu Beginn der Zeitmessung im Ursprung und bewegt sich pro Minute entlang des Vektors v (1 1 1). Eine Längeneinheit entspricht einem Kilometer in Wirklichkeit. Bestimmen Sie die beiden Geradengleichungen in normierter Form, Geschwindigkeit und den Schnittpunkt der Flugbahnen. Ist die Sicherheitsvorschrift eingehalten, dass das Passieren des Schnittpunkts der Flugbahnen mindestens 3 Minuten Abstand hat? Und welches der beiden Flugzeuge ist umweltfreundlicher?
Okay- kurze Pause und sacken lassen… Das genügt! Der Aufgabe liegt doch sowieso wieder ein Schema F zugrunde, oder Frau Hufnagel?
Neben der Frage, ob man alle Fragen überhaupt beantworten kann, bin ich mir unsicher, inwiefern das Flugzeug F2 überhaupt flugfähig ist. Zur Erinnerung, das war das Bundeswehrflugzeug.
Abi lief I can fly – Wir machen den Abflug, das ist unser Abimotto! Und damit begrüße ich Sie alle, meine Damen und Herren, liebe Lehrerinnen und Lehrer, Verwandte und Bekannte und vor allem liebe Mitschülerinnen und Mitschüler zu meiner Scheffelpreisrede.
Aufgaben wie diese sind uns in den letzten Wochen und Monaten zu Hauf über den Weg gelaufen, mehr oder weniger unfreiwillig. Obwohl Mathe seit der Grundschule mein absolutes Lieblingsfach war, frage ich mich, wieso Textaufgaben immer so umständlich formuliert sein müssen. Das ist Mathe und nicht Deutsch. Nirgends, außer im Matheunterricht, kauft ein Kind 20 Melonen, verschenkt davon zwei an seine Nachbarin und teilt dann mit seinen zwei Geschwistern. Wie die Frage dazu aussehen würde, können Sie, könnt Ihr Euch wahrscheinlich vorstellen.
In den letzten zwölf beziehungsweise acht Jahren ist aber noch viel mehr passiert als abstruse Matheaufgaben. Wir 70 haben uns kennengelernt. Manche von uns kennen sich schon seit der Grundschule. Es sind Freundschaften entstanden, die hoffentlich noch lange bestehen bleiben. Wir haben viel gelernt, nicht nur in Bezug auf unsere Allgemeinbildung, auch wenn ich nicht alles in der Schule Gelerntes als Allgemeinbildung bezeichnen würde, sondern auch persönlich. Sich durchbeißen, nicht gleich aufgeben, nicht zu stolz sein, um jemanden nach Hilfe zu fragen, über den Tellerrand blicken, offen für Neues sein und selbständiges Arbeiten alleine und in der Gruppe. Man könnte noch so viel mehr aufzählen. Ich weiß nicht, wie oft wir miteinander und übereinander gelacht haben. Vor allem das hat ausgemacht, dass ich die ganzen acht Jahre sagen konnte, ich gehe gerne ans MPG. Oft waren es einfach die kleinen Momente, die Spaß gemacht haben. Wenn jemand vor Lachen fast vom Stuhl gefallen ist, wir es erfolgreich geschafft haben, die Lehrkraft vom Thema abzubringen, oder einfach die Mittagspause genossen wurde. Obwohl viele Klausurphasen einen teilweise an den Rand der Verzweiflung gebracht haben, war es wichtig, auch außerhalb der Schule Spaß zu haben, sei es bei einem Hobby, oder mit Freunden.
Und jetzt sind wir hier, nach acht Jahren gemeinsamer Zeit und der ersten großen Prüfung: dem Abitur. Wer hätte gedacht, dass die Zeit so schnell vergeht? Die Flugbahnen unserer Flugzeuge kreuzen sich hier nochmal, bevor sie ihre Reise in eine andere Richtung fortsetzten werden. Diesen Punkt, nennen wir ihn Schnittpunkt S1, möchte ich auch nutzen, um mich dafür zu bedanken, dass ich überhaupt hier stehen darf. Frau Lüber, ich kenne Sie jetzt schon seit der 5. Klasse und war sehr froh, dass ich sie auch in der Jahrgangsstufe in Deutsch hatte. Sie haben uns wunderbar aufs Abitur vorbereitet, immer ein offenes Ohr gehabt, sich für uns eingesetzt und Verständnis gezeigt, wenn wir Schüler gerademal im Stress waren. Lieber Grundkurs 4, auch Euch ein großes Dankeschön dafür, dass die letzten zwei Jahre unvergesslich waren.
Da ich im Deutsch-Abitur den Gedichtvergleich, oder fachsprachlich ausgedrückt, die vergleichende Interpretation zweier Gedichte gewählt habe, darf in dieser Rede natürlich ein Gedicht nicht fehlen.
Ich lese vor:

Wie im Flug

Ein schöner Tag vergeht im Flug.
Ein krummer zieht sich in die Länge.
Vom ersten kriegst du nie genug,
der zweite treibt dich in die Enge.

Was dir gefällt, geht schnell vorbei,
doch was dich wurmt, scheint anzudauern.
Ist dir ein Thema einerlei,
wird es an jeder Ecke lauern.

Geht was mit rechten Dingen zu,
muss keiner nach dem Rechten schauen,
denn das hältst du für streng tabu,
und keiner hat daran zu kauen.

Ein schöner Tag verleiht dir Schwung,
und den Gedanken wachsen Flügel.
Du fühlst dich herzerfrischend jung,
und hängst den Alltag an den Bügel.

Ich würde sagen, das mit den sprachlichen Stilmitteln überspringen wir einfach und schreiten voran zur Interpretation. Was bedeutet dieses Gedicht für mein Leben? Falsch gefragt und zudem viel zu pathetisch. Ich finde, das Gedicht fasst unser Schulleben und den heutigen Tag treffend zusammen. Strophen eins bis drei zeigen, dass es Tage und Schulstunden gab, die kaum ein Ende genommen haben und andere, die schnell vorübergingen. Themen und Fächer, in denen wir uns gut auskannten, bereiteten uns keine Probleme. Doch war uns „ein Thema einerlei, wird es an jeder Ecke lauern“. Das ist mit dem heutigen Tag jedoch fürs Erste vorbei. Dieser schöne Tag „verleiht uns Schwung und unseren Gedanken wachsen Flügel“. Jetzt ist alles möglich! Alles steht uns offen. Wir können alles erreichen, wenn wir es nur wollen. Abi lief I can fly ist für mich eine Aufforderung, den heutigen Tag als Anfang von etwas Neuem zu sehen. Wie sagte es das Gedicht so schön, wir sind „herzerfrischend jung“, es ist alles möglich, mehr als wir uns selbst zutrauen würden. Wir steigen nun alle in unser persönliches Flugzeug, das die einen in ein fernes Land, die anderen zu einem Studium oder einer Ausbildung bringt. Wieder andere wissen noch gar nicht, wo die Reise für sie hingehen soll. Ich denke wieder an die Matheaufgabe vom Anfang zurück. Die mathematisch modellierten, kerzengeraden Flugbahnen der Flugzeuge F1 und F2 sind eben nicht mehr als Theorie und Idealisierung. Unsere Lebensflugbahnen müssen nicht immer den geraden und perfekten Weg gehen. Umwege sind erlaubt und erwünscht. Wir selbst können bestimmen, in welche Richtung unser Flugzeug fliegt und dabei auch mal den „Alltag an den Bügel hängen“ und einen Zwischenstopp einlegen. Obwohl das mathematisch in der genannten Aufgabe nicht möglich ist, hoffe ich, dass es nicht nur beim heutigen Schnittpunkt S1 bleibt, sondern sich unsere Wege noch oft kreuzen.
In diesem Sinne: Abi lief I can fly – Wir machen den Abflug!

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