Hochspannung im Theater

Erfolgreich präsentierte der „Literatur & Theater“-Kurs am Freitag, 29. März 2019, und Samstag, 30. März 2019, im Foyer des Max-Planck-Gymnasiums das Kriminalstück „Abteil III“.

 

 

 

 

 

Wir sitzen alle im selben Zug

Sieben ungewöhnliche Passagiere treffen in einem Zug aufeinander und lernen sich auf der weiteren Fahrt näher kennen. Dass dies nicht immer ganz so einfach ist, wie man das eigentlich vermutet, dürfte wohl daran liegen, dass zwischen den Gästen teils mehrere Jahrzehnte gesellschaftlicher Entwicklung liegen, denn sie entstammen verschiedenen Zeitabschnitten der 20. Jahrhunderts

Sieben ungewöhnliche Passagiere treffen in einem Zug aufeinander und lernen sich auf der weiteren Fahrt näher kennen. Dass dies nicht immer ganz so einfach ist, wie man das eigentlich vermutet, dürfte wohl daran liegen, dass zwischen den Gästen teils mehrere Jahrzehnte gesellschaftlicher Entwicklung liegen, denn sie entstammen verschiedenen Zeitabschnitten der 20. Jahrhunderts.

Die Situation verschärft sich dramatisch, als nach der Soiree eine Leiche im Salonwagen gefunden wird. Wer ist der Täter? Warum musste die Person sterben? Diese Fragen soll der britische Detektiv Joseph Winterbottom beantworten. Mit Hilfe von Daphne Carter macht er sich daran, den Fall zu lösen.

Zug um Zug

Literaturkenner, die sich möglicherweise über den Titel und Inhalt der Aufführung wundern, können schnell beruhigt werden: Das Stück wurde von den neun Mitgliedern des „Literatur & Theater“-Kurses selbst geschrieben und inszeniert. Eine Mammutaufgabe, welche die Gruppe fast ein Jahr lang beschäftigt hat. Spontan entstand bei einem der ersten Treffen die Idee des zeitreisenden Zuges, in dem sich Personen aus verschiedenen Jahrzehnten begegnen. Eine große Inspiration bot darüber hinaus die Neuverfilmung des Kriminalromans „Mord im Orient-Express“ von Agatha Christie. Danach trafen sich die Jungen und Mädchen zusätzlich zu den Kurssitzungen auch außerhalb der Schulzeiten und in den Ferien, um das Drehbuch zu schreiben, Kostüme zu kaufen und das Bühnenbild zu bauen. Dem Ergebnis merkt man deutlich an, mit wie viel Herzblut, Leidenschaft und Liebe zum Detail alle Beteiligten gearbeitet haben.

Charakterzüge – Mit Herz und Verstand

Zu Beginn lernen wir die Passagiere des Zuges kennen – eine bunte Mischung aus Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da gibt es beispielsweise die junge Studentin Daphne Carter, die bei ihrem Forensikstudium aktuell bereits die praktische Phase erreicht hat. Bravourös meistert Lisa Gönnert bei dieser Rolle den Balanceakt zwischen Intelligenz und Einfühlsamkeit, und erweckt so eine sympathische Figur zum Leben, die der nerdige „Navy CIS“-Forensikerin Pauley Perrette auf unterhaltsame Weise ähnelt. Erik Rehlinger spielt den skrupellosen amerikanischen Geschäftsmann Julius Magnusen mit einer gewaltigen Portion Arroganz und Unverschämtheit, die vor allem im kontrastiven Zusammenspiel mit der naiv-plappernden Krankenschwester Miriam Brandt (herrlich authentisch von Lara Schiek) beim Publikum immer wieder für Lacher sorgt. Hanna Engelhardt schlüpft gekonnt in die Rolle der überaus anständigen Nicole Bennett, auf die der fiese Gangster Alfonso Giordano (Mikail Schmid) ein Auge geworfen hat – ein weiteres Darsteller-Duo des Abends, bei deren Interaktionen der Humor nicht zu kurz kommt. Ein Highlight der Aufführung ist zweifellos Annika Hoffmann als Lady Elisabeth Cuttlefish, eine emotionslose Dame, die ihren Fokus eher auf das Materielle richtet. Gelungen aufgedreht agiert Daniella Bossio-Jasani als Franka Corleone, ein junges, oberflächliches Flapper Girl, das sich trotz ihrer verspielten Art gerne über Autoritäten hinwegsetzt und ihre Grenzen überschreitet. Johannes Wolscht füllt den Part des Joseph Winterbottom, eines Ermittlers auf den Spuren von Hercule Poirot, spürbar mit Leben: Anfangs wirkt er noch kühl-überlegen, ehe er mehr und mehr die Fassung verliert, doch am Ende kann er den Fall geschickt lösen – und findet dabei die große Liebe. Wolscht versteht es brillant mit Gestik und Mimik, die breite Partitur der Gefühle zu spielen und die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Zuletzt ist da noch Saskia Seibold, die in einer Doppelrolle als Schaffner und Erzähler durch das Stück führt und mit monotoner Stimme und starrer Haltung der Kälte ihrer Rolle wirkungsvoll Ausdruck verleiht. Dieser bunte Blumenstrauß aus gefühlvollen und emotionslosen, liebenswerten und verachtungswürdigen Figuren, allesamt natürlich und überzeugend in Szene gesetzt, entwickelt im Verlauf des Stücks eine spannende Dynamik und kreiert viele unvergessliche Situationen und unterhaltsame Einzeiler.

Cleverer Schachzug

Wie bei einem Kriminalstück üblich, gab es auch an diesem Abend natürlich einen Mord, mehrere Verdächtige und die berühmte Frage: Wer ist der Mörder? Alle wichtigen Hinweise waren im ersten Teil des Stücks versteckt, sodass die Zuschauer während der Pause angeregt diskutierten, wer den Mord begangen hat. Zusätzlich befeuert wurden die Spekulationen durch eine Stellwand mit Fotos der verdächtigen Personen. Hier konnte jeder mittels eines farbigen Klebers seinen Tipp abgeben, wer der Täter sein könnte. Den meisten Besuchern fiel es sichtlich schwer, dem Rat zu folgen, sich nur auf den Verstand zu verlassen und sich nicht von den Gefühlen oder den Entscheidungen anderer leiten zu lassen.

Publikum unter Zugzwang

In der zweiten Hälfte der Aufführung erfolgte ganz klassisch – und von allen gespannt erwartet – die Auflösung des Falls. Hierzu versammelten sich alle Figuren noch einmal auf der Bühne, und die Schauspielerinnen und Schauspieler liefen zu ihrer Höchstform auf. Am Ende belohnte das Publikum die Jungen und Mädchen für ihr schauspielerisches Können und ihre Textsicherheit mit viel Applaus. Auch die beiden Lehrerinnen, Nicole Lüber und Miriam Gutteter, die das Projekt von der ersten Idee bis zur Aufführung betreut hatten, und die Technik-AG ernteten reichlich Lob für ihre großartige Leistung.

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