Der Steppenwolf - Theater hautnah erleben

Einfach nur ins Theater gehen, sich ein Stück anschauen und im Unterricht darüber sprechen – das kann jeder, dachten sich die Teilnehmer des „Literatur & Theater“-Kurses von Frau Schneiderhan und Frau Lüber. Aber was steckt eigentlich hinter einer solchen Aufführung? Welche Gedanken machen sich der Regisseur und die Schauspieler, bevor so ein Theaterstück aufgeführt wird?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, nahmen sie zusammen mit den Schülerinnen und Schülern von Frau Lübers Deutschkurs an einer spielpraktischen Vorbereitung zu einem Theaterbesuch teil. Dazu kamen die Schauspieler des jungen Ensembles Stuttgart (JES), das sich auf Stücke für Kinder und Jugendliche spezialisiert hat, am 20.09.2018 an das Max-Planck-Gymnasium Schorndorf, um sich in Kleingruppen mit den Schülerinnen und Schüler intensiv in Gesprächen mit einer ihrer neuen Produktionen auseinanderzusetzen. Dass es sich um eine dramatische Umsetzung des Romans „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse handelt, das seit diesem Schuljahr zum ersten Mal eine verpflichtende Lektüre für alle Abiturientinnen und Abiturienten ist, machte das Vorhaben für alle Teilnehmer noch spannender.

Intendantin Brigitte Dethier und ihr Ensemble erkunden in ihrer Theaterfassung, inwieweit sich Hermann Hesses „Steppenwolf“ als generationsübergreifende Fabel erzählen lässt: von einem, der sich abarbeitet an der Gesellschaft und sich die ewig gleichen Fragen stellt: Wo will ich hin? Wie will ich leben? Welche Werte sind mir wichtig?

In einem regen Austausch erläuterten die Darsteller ihre Überlegungen im Vorfeld der Aufführung und beantworteten die Fragen der neugierigen Jungen und Mädchen. So sprach man unter anderem darüber, was der Roman mit der Lebenswelt junger Menschen zu tun hat oder was das Bürgerliche heute noch für die Schülerinnen und Schüler bedeutet.

Wie viel das JES-Team von den Anregungen der MPG-Schülerinnen und Schüler für die Probenarbeit mitnehmen wollte und konnte, durfte der Kurs bei einer exklusiven Probe am 8. Oktober 2018 in Stuttgart herausfinden. Inmitten des Arbeitsprozesses konnten die MPGler hautnah erleben, wie Theater entsteht: Texthänger, Soufflierarbeit, Improvisation und Interpretation bis ins Detail, gemischt mit immenser Flexibilität, da einer der Schauspieler, der Harry Haller spielt, erkrankt war. Das Inszenierungskonzept fokussierte Harry Hallers Zerrissenheit, die durch Figurensplittung inszeniert wird. Dies bedeutet, dass mehrere Schauspieler den Charakter der Figur Hallers darstellen. Im gemeinsamen Gespräch mit dem JES-Team konnten sich die Schülerinnen und Schüler über die Rolle der Hermine und die Funktion des Humors erneut austauschen. Sehr interessiert fragte das JES-Team nach den Eindrücken der jungen Erwachsenen und nahm die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler und deren Lehrerinnen wertschätzend auf.

Doch welche Ideen es tatsächlich bis in die Vorstellung geschafft hatten, konnten alle JS2-Deutschkurse mit ihren Lehrerinnen am 17. Januar 2019 bei der Aufführung im JES beobachten. Alle diejenigen, die den Inszenierungsprozess von September an begleitet hatten, waren sich sehr einig: Die Hinweise und auch Änderungsvorschläge beim Probenbesuch der Schülerinnen und Schüler wurden sehr ernst genommen, sogar einzelne Tipps wurden in der Inszenierung wiedererkannt, wie z. B. Hermines Kostüm und die Intensität von Hallers Heulen

Das Fazit der Schülerinnen und Schüler zur besuchten Aufführung: Harry Hallers Zerrissenheit und die verschiedenen Seelen werden in der Inszenierung sowohl durch das Figurensplitting als auch die Interpretation eines Tänzers sehr deutlich und verständlich gemacht. Musik und Lichtkonzept sorgen dafür, dass das Stück bei reduziertem Bühnenbild sehr abwechslungsreich wirkt. Der Zuschauer kann das Theater zuversichtlich verlassen, da Harry Haller es schafft, seinem Alltag mit Humor zu begegnen und der Zuschauer wird auf dem Heimweg noch über den schmalen Grat zwischen lächerlich und witzig oder das Magische Theater nachdenken.

Die Frage, ob der Kurs ein Theater-Team erneut begleiten würden, wurde einstimmig bejaht und der Prozess als gewinnbringend und lohnenswert beschrieben.

Vielen Dank an Peter Galka, den Theaterpädagogen des JES, der zusammen mit Frau Lüber die Organisation des Projekts „Theater- hautnah“ geleitet hat.

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