Gedanken zum Volkstrauertag

Am Sonntag, 12. November 2016, nahmen Schülerinnen des Max-Planck-Gymnasiums Schorndorf an der alljährlichen Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Urbach teil und trugen ihre literarischen Texte vor.

Man kann schon fast von einer Tradition sprechen, denn seit sechszehn Jahren sorgen Schülerinnen und Schüler des Schorndorfer Gymnasiums für eine Bereicherung des feierlichen Ergebnisses. 

 

In diesem Jahr präsentierten Ida Jandl (Jahrgangsstufe 2), Isabel Pflug (Jahrgangsstufe 2) und Theresa Kunz (Jahrgangsstufe 2) ihre Werke.

 

Fallende Sterne.

Du warst einer von ihnen. 

Dein Licht erstrahlte die Dunkelheit.  Deine Schönheit verzauberte die Menschen.  

Ein schönes Erlebnis. 

Danach herrschte Finsternis.  

Aber alle, die dein Strahlen gesehen haben, schöpften Hoffnung.  

Mit Liebe in den Augen erzählten sie von dir. Von deinem Strahlen und deiner Schönheit.  

Du hast die Menschen verzaubert.  

Ihr Leben lebenswert gemacht.  Du bist nicht mehr da und doch lebst du weiter. In den Gedanken von anderen. 

 

Von Ida Jandl

 

Alles eine Frage der Zeit, haben sie gesagt. 

Nun sitze ich hier, einen Blumenstrauß in der Hand und wünschte, du wärst hier.  

Ich sehe dich vor mir, höre dein fröhliches Lachen. 

Alles eine Frage der Zeit bis der Schmerz nicht mehr weh tut. 

Doch es ist eine wunde, die nie verheilt. 

Aus der wunde wachsen Blätter und Blüten.  Schmetterlinge kommen und saugen den Honig. 

Es ist *keine* Frage der Zeit. Der Schmerz wird bleiben.  

Mit ihm auch die Erinnerungen. An deine Umarmungen, deinen Händedruck.  Es schmerzt mich, an sie zu denken, da ich weiß, dass du mich nicht wieder berühren wirst, berühren kannst.  

Doch gerade diese Erinnerungen sind es, an die ich denke, wenn ich mich einsam fühle. Ich denke an dich und ich bin nicht mehr alleine.

 

Von Ida Jandl

 

 

Friedhof der versteinerten Schwerter


Unzählige Steinkreuze
auf einem Soldatenfriedhof
stehen in Reih’ und Glied;
sie gleichen übergroßen, 
mit der Klinge im Boden
steckenden Schwertern;
sie verharren, als wollten sie
die Überlebenden 
auf das Ende einer Schlacht hinweisen:

„Es ist genug,
mehr als genug
des Kampfes und des Tötens
darum geht nach Hause
und bestellt wieder
Euer Haus, Eueren Hof und Euere Äcker !“

Jedes Kreuz ist
mit einem Namen versehen;
eine schon verbleichende Beschriftung
kündet vom Tod
eines jungen, hoffnungsfrohen Menschen, 
und von 
seinen verlorenen Träumen
und seiner erloschenen Zukunft.

Träume, Hoffnungen
und Sehnsüchte,
eines Menschen,
die wohl
in einem einzig verbliebenen Wunsch
gebündelt waren:
Dem ihm wehrlos
aufgezwungenen 
unmenschlichen Kriegsirrsinn
unversehrt zu entkommen 
und heil nach Hause
zu seiner Familie zurückzukehren.

Wohin die Träger
der verbleichenden Namen gingen ?
Die Steinkreuze
künden es
und doch noch viel mehr
von all dem unendlichen Leid
das ihnen
und Abermillionen von Mitmenschen
weltweit geschah
und weltweit 
auch heute noch 
geschieht.

Doch die Idylle über dem Meer
der der versteinerten Schwerter
ist brüchig und trügerisch:  

Denn in die vermeintliche Stille
dringen immer noch 
und nie enden wollend
der Lärm von Schüssen
das Krachen explodierender Granaten
das Schreien der Verwundeten
und das Weinen, Klagen und Schluchzen
aller von Gewalt und vom Krieg 
geschundenen Menschen und Kreaturen.

Und irgendwo auf der Welt
verkünden noch immer 
herrschende Kriegstreiber und Kriegscliquen
eigens ersonnene 
menschenverachtende Doktrinen
die da lauten:

„Tod dem anders Denkenden
Tod dem anders Fühlenden
Tod dem anders Glaubenden
Tod dem anders Besitzenden
Tod dem anders Gearteten !“

Doch die Steinkreuze  
und die ungezählten, 
und irgendwo in der Erde
verscharrten 
namenlosen Toten aller Kriege
mahnen fordernd und eindringlich:

„Vergesst uns nicht !

Vergesst nicht unser Leid und unsere Opfer 
und vergesst nicht
das Leid der Hungernden,
das Leid der Geschundenen,
das Leid der Vergewaltigten,
das Leid der Vertriebenen
das Leid aller Angehörigen.

Denn im Wissen um die Opfer
sämtlicher Kriege
und um die Opfer aller Gewalt
menschlichen Handelns
schuldet Ihr uns
Erinnerung für ewige Zeiten 
und die Pflicht 
Gewalt und Krieg
für immer zu verhindern !

Darum: Tötet den Hass 
und tötet
die Gier in Euch
und Ihr tötet den Krieg
und das Leid
dieser Welt !

Tötet den Krieg !

Damit Friede wird

zwischen den anders Denkenden
zwischen den anders Fühlenden
zwischen den anders Glaubenden
zwischen den anders Besitzenden
zwischen den anders Gearteten
und zwischen den anders Hoffenden.

Schafft und bewahrt Frieden:
Zum Wohle jedes Menschen, 
zum Wohle aller Stämme,
zum Wohle aller Völker,
zum Wohle aller Geschöpfe und Kreaturen
und zum Wohle dieser unserer
einen Mutter Erde !

Von Joseph Albert Stöckl,

vorgetragen von Theresa Kunz

 

 

100 Jahre

Ein Jubilar ist heute unter uns und wir wollen ihm gedenken

Doch nicht in Sehnsucht nach der alten Zeit, 

Sondern mir der Hoffnung das nichts dergleichen wiedererscheint.

100 Jahre 

Und wir haben viel gelernt, 

Von Verlust und Heldentat,

Von Leid und Verrat

Und auch manches haben wir verlernt.

100 Jahre

Und wir haben verlernt,

Dass auch wir auf der Flucht waren,

Dass auch wir in Not waren,

Dass auch wir gelitten haben

Und helfen denen, die jetzt in Not sind nicht.

100 Jahre

Und wir sind heimisch geworden

Und lehnen nun die ab, die es nicht sind

Und lehnen es ab die Hilfe, die man uns gab auch anderen zukommen zu lassen.

100 Jahre

Und wir vergessen, dass Krieg auch bei uns war,

Dass auch wir auf der Flucht waren, 

Dass auch wir in Not waren,

Dass auch wir gelitten haben

Und helfen den Anderen nicht.

 

Von Isabel Pflug

 

 

Heldenfriedhof

Unzählige Gräber
Kreuze aus
Holz und aus Stein
die darunter liegen
wollten
nie Helden sein.

Keine Hoffnung
kein Leben
keine ersehnte Heimkehr
und ihr Platz
bei den Liebsten
der blieb immer leer.

Die Zeit, sie hält still
an diesem würdigen Ort
nur die Bäume umher
rauschen und flüstern
immerzu, immerfort:
„Nie mehr ein Krieg,
nie mehr, niemals mehr !“

Und Freunde
und Feinde 
wandern nun
fern aller Zeit
gemeinsam
durch die blühenden Wiesen
der Ewigkeit.

 

Von Joseph Albert Stöckl,

Vorgetragen von Isabel Pflug

(c) 2012 Max-Planck-Gymnasium
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