„Schule als Staat“: Wie im echten Leben

Als die Schülerinnen und Schüler des Schorndorfer Max-Planck-Gymnasiums am 20. Juli 2016 an ihre Schule kommen, ist der Innenhof nicht wiederzuerkennen. Es ist 7:15 Uhr und dennoch herrscht schon ein emsiges Treiben: Hier wird eine Eisdiele aufgebaut, dort ein Würstchenstand, an der Ecke entsteht eine Waschanlage für Fahrräder („Blitz Planck“), Jungen und Mädchen stehen vor dem Haupteingang in einer langen Schlange, die Ausweise griffbereit in der Hand, um nach „Planckutopia“ einzureisen, nebenan, vor dem Bücherkeller, warten die Betriebsleiter beim Zoll darauf, dass sie ihre Waren einführen dürfen.

Drei Tage lang, vom 20. – 22. Juli 2016, herrscht Ausnahmezustand am MPG. Oder anders ausgedrückt: Vieles ist plötzlich wie im echten Leben. „Schule als Staat“ heißt das diesjährige Großprojekt der SMV, bei dem sich das Schorndorfer Gymnasium für begrenzte Zeit in einen demokratischen Staat verwandelt. Dabei werden alle tatsächlich gleichberechtigt, sowohl Schüler als auch Lehrer. Schon seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Parteien wurden gegründet und ambitioniert Wahlwerbung betrieben, anschließend eine Regierung gewählt und gebildet (nach kurzen Koalitionsgesprächen), die regelmäßige Parlamentssitzungen abhält und eine Verfassung festgelegt hat. Es gab kreative Wettbewerbe zum Namen des Staates („Planckutopia“), zur Währung („Planck“) und zum Design der Flagge. Selbst eigene Geldscheine wurden entworfen und gedruckt. Schülerinnen und Schüler haben eigene Betrieben gegründet oder sich als Arbeitsnehmer beworben, es gibt eine Zentralbank, ein Zollamt, die „Lügenpresse“, die Polizei (und ein Gefängnis) und vieles, vieles mehr. Eben: Wie im echten Leben.

Um 8 Uhr findet die große Eröffnung auf dem Schulhof statt. Knapp 700 Schülerinnen und Schüler und das Lehrerkollegium singen die eigens für diesen Anlass komponierte und von Mikail Schmid vorgetragene Hymne. „We all live in Planckutopia“. Der Präsident, Maurice Daub, erinnert in seiner feierlichen Ansprache noch einmal an die wichtigen Säulen des Staates: Gleichheit und Wirtschaftlichkeit.

Dann kann die Simulation endgültig beginnen: Im Foyer der Schule finden sich unter anderem ein Second-Hand-Markt, die Post und das Krankenhaus. Die Musik von Straßenmusikern (u. a. Herr Kroll) erfüllt das Haus. Aus der Geisterbahn hört man spitze Schreie erklingen. Im Musiksaal kann man sich in der Kirche trauen lassen, direkt daneben regelt eine Anwaltskanzlei die scheinbar unumgänglichen Scheidungen. Wer weiter die Treppen nach oben steigt, kommt an einem Fitnessstudio, einer Tanzschule oder einem Kino vorbei. An den Wänden kleben Werbeplakate für die diversen Ess- und Trinkstände: Süßigkeiten, Datschwecken, Wraps, Crepes, Cocktails und Smoothies locken die Bürger des Staats in den dritten Stock. Wer schließlich genug hat vom vielen Treppensteigen, der kann sich im Beauty-Salon, einem Massagestudio oder der Wellness-Oase erholen. Dann gibt es wieder Sport: Fitnessstudio oder die Teilnahme an einem Fußballturnier („Soccerworld“). Bei „Schlag den Lehrer“ treten die Lehrer in verschiedenen Disziplinen gegen ihre Schüler an. Wer verliert, muss zahlen. Und wem das Geld bei diesem gigantischen Angebot ausgeht, der kann reale Euros (bis zu 20 Euro pro Person) bei der Zentralbank gegen Planck eintauschen.

Aber was tun, wenn die Kundschaft ausbleibt? Wie soll man am Ende eines Tages die Arbeiter bezahlen? Mit solchen und weiteren interessanten Fragen setzen sich die Betriebsleiter auseinander, als es nach dem ersten Vormittag darangeht, die Abrechnung für das Unternehmen zu machen. Löhne müssen ausgezahlt werden, die Einkommenssteuer ist fällig. Selbst für die Entsorgung des Mülls wird man zur Kasse gebeten. Es ist eine Mischung aus Spaß und Ernst. Viele Elemente haben Bezug zum wahren Leben und so manche Erfahrung wird sicher später im Unterricht aufgegriffen: z. B. in Gemeinschaftskunde, Mathematik, Deutsch oder Wirtschaft.

All dies ist selbstverständlich nur möglich, durch die umfangreiche und aufwendige Organisation der SMV (Lennart Kern, Judith Quast, Kai Schwarz, Stefan Semjancuk sowie die Expertengruppen) und der Verbindungslehrerinnen (Lüber und Wenzel) – mit freundlicher Unterstützung durch eifrige Kolleginnen und Kollegen (Bay und Möhrmann) – sowie durch den engagierten Einsatz der gesamten Schüler- und Elternschaft und aller Lehrkräfte.

 

 

   

 

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