„Die Komödie im Dunkeln“
erstrahlt in hellem Licht

 Erfolgreich präsentierte der „Literatur & Theater“-Kurs am Freitag, 3. Juni 2016, und Samstag, 4. Juni 2016, im Foyer des Max-Planck-Gymnasiums das neue Stück: „Die Komödie im Dunkeln“ (Black Comedy) von Peter Shaffer.

 

 

 

 

 

Eine Katastrophe folgt der nächsten

Der junge Künstler Brindsley Miller erwartet einen hohen Gast, den Kunstsammler und Millionär Jacob Liebermann, der an seinen Werken interessiert ist. Als wäre das nicht schon genug, soll auch noch Colonel Melkett, der Vater seiner Verlobten Carol, zu Besuch kommen. Zu allem Überfluss gibt es einen Kurzschluss. Die Katastrophe erreicht ihren Höhepunkt, als Brindsleys alte Flamme Clea auftaucht, die Nachbarin Miss Furnival zu tief ins Glas schaut und ein kunstfanatischer Klempner die Bühne betritt.

 

Dunkle Vorzeichen

Überhaupt nicht katastrophal wirkt das Bühnenbild am Anfang der Aufführung. Zu sehen sind zwei elegante Stühle sowie ein passendes Sofa, ein kleines Tischchen, auf dem eine Lampe mit Seidenschirm steht, und ein Buddha aus Porzellan – die stilvolle Einrichtung einer Londoner Wohnung. Doch schon bald erfährt das Publikum, dass der junge und tollpatschige Künstler Brindsley die kostbaren Raritäten nur von seinem Nachbarn, dem Antiquitätensammler Harold Gorringe, ohne dessen Zustimmung „ausgeliehen“ hat, um bei seinen Gästen einen guten Eindruck zu machen. Lina Brückner ist die Idealbesetzung für die Rolle des charmanten Schlitzohrs Brindsley: Zu Beginn gelingt ihr der schwierige Balanceakt zwischen sympathisch und schmierig hervorragend und im Lauf des Stückes stellt sie eindrücklich dar, wie der (Lebens-)Künstler angesichts der zunehmenden Verstrickungen in immer größere Verzweiflung gerät. Michaela Grossmann gibt die Verlobte Carol mit einer Mischung aus naivem Optimismus und tiefer Traurigkeit. Ihre gespielte Arglosigkeit und übertriebenen Heul- und Wimmeranfälle sorgen beim Publikum immer wieder für Lacher.

 

Es werde … dunkel!

Durch einen besonderen Kniff bringt der Autor das Stück zum Leuchten: Eine Sicherung knallt durch. Tatsächlich fällt grelles Scheinwerferlicht auf die Bühne, während die Schauspieler so tun, als ob ihre Figuren im Dunkeln stehen. „Das hier ist ein Notfall. Das sieht jeder“, kläfft Colonel Melkett, den Theresa Schock als klassischen Feldwebel mit zackigem Kasernenton anlegt. Brindsley antwortet treffend: „Niemand sieht etwas. Das ist der Notfall.“ Dialoge voller Wortwitz führen die Darsteller mit starren Blicken, oft reden sie aneinander vorbei, tasten sich mit wild rudernden Armen über die Bühne, stoßen zusammen, stolpern, fluchen und tun viele andere Dinge, für die sie sich bei Licht schämen würden. Als Brindsleys Nachbar überraschend erscheint, muss der Künstler das „geborgte“ Mobiliar unbemerkt gegen seine eigenen schäbigen Möbel austauschen – im Dunkeln, versteht sich. Kuriose Slapstick-Einlagen, Missverständnisse und peinliche Verwechslungen sind das Ergebnis: Situationskomik vom Feinsten! Die Zuschauer verfolgen das chaotische Geschehen amüsiert und zugleich fasziniert – immerhin ist die Illusion nahezu perfekt.

 

Im Dunkeln ist gut munkeln

„Das Gesicht des Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Ähnlich verhält es sich mit den Figuren im Stück: Es wird getrickst, gelogen und gestritten. Ungeahnte Wesenszüge kommen zum Vorschein und alle dunklen Geheimnisse allmählich ans Licht. Die anfangs biedere Miss Furnival zeigt auf einmal eine ungeahnte Vorliebe für Alkohol und offenbart eine zunehmend zügellose Ausgelassenheit. Gelungen schräg agiert Sarah Schiele in der Rolle der gesitteten Jungfer. Hannah O´Neill gibt den Antiquitätensammler Harold Gorringe zunächst herrlich egozentrisch, dann mehr und mehr wütend und pikiert. Chantal Keller entpuppt sich als wahres Multitalent: Ihre Clea ist zu Beginn laszive verführerisch, lässt aber als betrogene Ex-Geliebte auch einen Hang zum Dramatischen erkennen und schlüpft in breitem Dialekt schließlich humorvoll in die Rolle einer schwäbischen Putzfrau. Annika Hartmann wiederum füllt den Part des intriganten Klempners John Grifter, der sich für den Millionär Liebermann ausgibt und am Ende sogar „Gott spielt“, mit Leben, Tiefe und einem natürlichen amerikanischen Akzent. Mit ihren Worten: „Es werde Licht!“ endet das Stück.

 

Helle Begeisterung

Mit ihrer Darbietung müssen sich die sieben Schauspielerinnen nicht im Dunkeln verstecken: Das Publikum quittiert die Leistungen der Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe 2, die durch ihre Textsicherheit und ihr schauspielerisches Können überzeugten, mit viel Applaus. Seit Oktober 2015 hatten sich die Teilnehmer des „Literatur & Theater“-Kurses mit dem Stück auseinandergesetzt; es handelte sich gewissermaßen um ihre Abschlussarbeit. Zwei Lehrerinnen, Nicole Lüber und Miriam Gutterer, hatten das Projekt zwar betreut, doch die Hauptarbeit mussten die Schülerinnen selbst erledigen: Regie, Technik, Requisiten und Kostüme. Die beiden Regisseurinnen, Annika Hartmann und Chantal Keller, organisierten die Zusammenarbeit, erstellten Probenpläne und motivierten die Truppe. All diese Aufgabe meisterten die Beteiligten mit Bravour. Die Technik-AG unterstützte die Truppe bei ihrem Vorhaben.

(c) 2017 Max-Planck-Gymnasium
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