Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Vom 15. – 20. November 2015 begab sich die Jahrgangsstufe 2 des Max-Planck-Gymnasiums Schorndorf mit ihren Begleitlehrerinnen – Diana Bräuning, Monika Burr-Jäckel, Regine Holschbach, Anke Rypalla – und ihren Begleitlehrern – Lothar Klering, Michael Nestler und Christoph Trautwein – auf Studienfahrt in die Hauptstadt Deutschlands.

Sonntag:

Mit etwas Verspätung starteten wir, aufgeteilt in zwei Busse, um 6:50 Uhr am MPG Parkplatz. Schon nach den ersten Kilometern kündigte sich schlechtes Wetter in Form von grauen Wolken und Nieselregen an, welches uns die Woche über begleiten würde. Nach neun Stunden Fahrt, unterbrochen von kleineren Pausen, kamen wir schließlich im verregneten Berlin an.
Aufgrund der jüngsten Ereignisse in Paris war das Sicherheitsaufgebot in der Hauptstadt extrem hoch. Nach einer kurzen Einweisung in die Hausordnung konnten wir unsere Zimmer beziehen. Um 17:30 Uhr ging es dann im strömenden Regen mit der U-Bahn Richtung Alexanderplatz. Nach einem etwas lang geratenen Fotostopp an der Weltzeituhr machten wir uns – mit noch immer anhaltendem Regen – zum Brandenburger Tor auf. Dort bot sich uns das markante Wahrzeichen Berlins, in Gedenken an die Opfer von Paris, blau, weiß, rot beleuchtet. In zwei kleinere Gruppen aufgeteilt, hieß es dann ab zum Reichstag, wo wir an einer Audio-Guide geführten Besichtigung der Kuppel teilzunahmen. Aufgrund des schlechten Wetters stellte sich dies allerdings als weniger spektakulär als erwartet heraus. Sehr informativ waren dagegen die Infotafeln, die über die Geschichte des Reichstags – von Machtwechseln, Krieg und Bränden – erzählten. Danach lösten sich die Gruppen langsam auf und Kleingruppen zogen in der Dunkelheit davon, um auf Nahrungssuche zu gehen.

Montag:

Gleich am Anfang der neuen Woche sollten wir einen eindrucksvollen Einblick in die Machenschaften der STASI bekommen. Doch zuvor ging es mit der U-Bahn und Metro zur Gedenkstätte des STASI-Gefängnisses Hohenschönhausen. Dort angekommen, bot sich uns die heruntergekommene Erscheinung der alten DDR-Gebäude. Ein kurzer Einführungsfilm zur Geschichte des Gefängnisses bereitete uns auf die nachfolgende Führung mit einem Zeitzeugen vor. Der ehemalige Häftling berichtete auf einem Rundgang durch die einzelnen Trakte mit vielen Anekdoten von seiner Zeit als Inhaftierter. Besonders eindrucksvoll blieben uns die Methoden der STASI im Gedächtnis, die mit psychologischer aber auch körperlicher Folter die Häftlinge an ihre Grenzen brachte. Mit betroffener Stimmung nahmen wir noch einige Weisheiten fürs Leben auf, von Datenschutz über den Umgang zu den Mitmenschen bis hin zum Vertrauen in die Demokratie, ehe wir uns auf den Weg machten, um ausreichend Stärkung für den Mittag zu uns zu nehmen. Gegen 15 Uhr standen eine Besichtigung des Checkpoints Charly sowie die Ausstellung zur „Topographie des Terrors“ zur Wahl. Die Ausstellung zur „Topographie des Terror“ gab uns Einblicke in die Zeit von 1933-1945, die mit einer Vielzahl an Bildern die Kriegsjahre darstellte. Die Gruppe, die sich mit dem Checkpoint Charly, dem Grenzposten zwischen Ost- und Westzone, beschäftigen durfte, bekam weitreichende Einblicke in die Beweggründe und Motive zur Ost-West-Spaltung. Viele Informationen für einen Tag, doch das Abendprogramm stand uns noch bevor. Zuvor konnte man noch ein wenig entspannen oder die Gegend erkunden, bevor man je nach Lust oder Interesse den „Guten Mensch von Sezuan“ (Brecht) oder „Theatersport“ besuchen konnte.

Dienstag:

Auch am Dienstag starteten wir mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Danach trennte sich die Gemeinschaft in vier Gruppen auf: Die erste Gruppe besichtigte gemeinsam mit Frau Rypalla das „Gläserne Labor“. Frau Holschbach und Frau Bräuning begleiteten die zweite Gruppe zum DDR-Museum am Alexanderplatz. Frau Burr-Jäckel und Herr Klering erkundeten gemeinsam mit der dritten Gruppe Berlins Unterwelten, und die letzte Gruppe sah sich das Olympiastadion mit Herrn Trautwein und Herrn Nestler an. Trotz des düsteren Wetters bekamen wir eine von einer Französisch klingenden Architekturstudentin begleitete Führung, die uns tiefe Einblicke ins Innere des Stadions gewährte. Vorbei an der VIP-Lounge konnte man am Rand des Feldes die Atmosphäre des 74.475 Plätze umfassenden Stadions erleben. Nach der anderthalbstündigen Führung löste sich die Gruppe dann auch schnell wieder auf und man ging nach einer kurzen Mittagspause zum zweiten Programmpunkt des Tages über: Zur Wahl stand eine Führung durch den Berliner Bezirk Neukölln, ein Besuch der Sammlung der Charité, das Technikmuseum, wo man sich über moderne und historische Mechanik informieren konnte, oder ein Abstecher im Museum für Film und Fernsehen. Den Abend konnte man dann ganz entspannt mit dem Basketballspiel ALBA Berlin gegen Ludwigsburg oder der Schaubühne „Stück Plastik“ ausklingen lassen. Zudem erkundeten viele die Hauptstadt bei Nacht oder wollten sich das Freundschaftsspiel Deutschland gegen die Niederlande in einem der unzähligen Pubs anschauen, welches aber aufgrund der Bombendrohungen abgesagt wurde.

Mittwoch:

Der Mittwoch sollte der entspannteste Tag der Woche werden. Lediglich der Vormittag war mit Veranstaltungen durchgeplant. Zur Wahl stand erneut der Besuch des Olympiastadions, das Denkmal der ermordeten Juden Stelenfeld, das Mauermuseum in der Bernauer Straße sowie das Technikmuseum. Aufgrund des schlechten Wetters wurde die Führung durch das Judendenkmal Stelenfeld nach innen verlagert. 2711 graue Stelen sollen an die ermordeten Juden während der NS-Zeit erinnern. Im darunter gelegenen „Ort der Information“ konnte man sich mit Audio-Guides näher informieren. Zudem wurden von einigen Einzelschicksalen berichtet, um eine Nähe zur Thematik zu schaffen. Der Nachmittag konnte dann frei gestaltet werden, was viele zum Shoppen oder zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten im Zentrum Berlins nutzten. Einige Teilnehmer zog es zum Fernsehturm, der bei stürmischem Wetter einen einmaligen Blick über die Hauptstadt bot. Auch die East Side Gallery, künstlerisch gestaltete Mauerstücke, war hoch im Kurs und lud zu entspannten Spaziergängen durch den Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg ein. Am Abend fand das Pflichtabendprogramm statt, sodass alle eine Beschäftigung fanden. Durch die Vielfalt der Themengebiete gab es niemanden, der nicht auf seine Kosten kam. Für die Sportlichen stand das Handballspiel Füchse Berlin - TUS N-Lübbecke zur Wahl. Als Überraschung organisierte Herr Trautwein einheitliche Fanshirts zum Anfeuern. Literaturbegeisterte konnten sich Kafkas „Die Verwandlung“ anschauen. Der vierstündige Musikkurs und einige Brahmsliebhaber lauschten den Klängen in der Philharmonie. Das Kabarett „Einmal Deutschland für alle“ im Diesel-Theater bot einen optimalen Mix aus Politik und Comedy, sodass man nicht mehr aus dem Lachen herauskam.

Donnerstag:

Der vierstündige Biologiekurs besuchte am Donnerstagmorgen gemeinsam mit Frau Rypalla die Sammlung der Charité, die Chemiker setzten sich im „Gläsernen Labor“ mit Hilfe von praktischen Experimenten mit dem Thema „Koffein“ auseinander und der vierstündige Geschichtskurs informierte sich im Deutschen Historischen Museum über die Geschichte unseres Landes. Der Rest erkundete gemeinsam mit Frau Holschbach und Frau Bräuning die Berliner Unterwelten oder machte einen Ausflug zum Pergamon Museum mit Frau Burr-Jäckel. Nach einem ausgiebigen Mittagessen ging es für alle zum Jüdischen Museum. Bei der einstündigen Tour durch das architektonisch äußerst sehenswerte Gebäude bekam man einen sehr intensiven Einblick in das Leben der Juden, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Am Abend standen wieder verschiedene Programmpunkte zur Auswahl: Einerseits konnte man im Theater „Ramba Zamba“ die Arbeit von Menschen mit Behinderung begutachten, die das Stück „Die Elenden“ aufführten. Andererseits gab es das Improvisationstheater „Die Ding-Show“, bei der man sehr eindrucksvoll Schauspielern beim Improvisieren zuschauen konnte. Zu guter Letzt besuchten die Teilnehmer des Literatur- und Theater-Kurses die Stücke „Faust I“ und „Faust II“. Einige Neugierige schlossen sich der Gruppe aus Interesse an. Die meisten aber genossen den letzten Abend ganz entspannt im Hotel. So ging der letzte Tag der Berlinfahrt zu Ende, die unterm Strich ein einmaliges Erlebnis war und auf jeden Fall eine Menge Spaß gemacht hat!

Freitag:

Nach einem kurzen Spaziergang vorbei an einer jüdischen Synagoge und über einen jüdischen Friedhof machten wir uns wieder auf den Weg in den Süden. Die neunstündige Fahrt war ziemlich ermüdend, was durch das regnerische Wetter noch zusätzlich verstärkt wurde. Doch mit Karten spielen, schlafen, Musik hören und reden ging die Zeit im Nu vorüber und wir kamen gegen 20 Uhr im verregneten Schorndorf an. Zusammenfassend war unsere Berlinfahrt ein ziemlich abenteuerliches und informatives Erlebnis, das uns alle so kurz vor dem Abitur noch einmal intensiv zusammengeschweißt hat und bei dem viele neue Freundschaften entstanden sind. Unser Dank geht natürlich an die Lehrerinnen – Frau Bräuning, Frau Burr-Jäckel, Frau Holschbach, Frau Rypalla – und die Lehrer – Herr Klering, Herr Nestler und Herr Trautwein –die uns auf unserer Studienfahrt tatkräftig unterstützt haben, um durch den chaotischen Alltag in der Hauptstadt zu kommen! Vielen Dank auch an Herrn Barth, der die Fahrt gemeinsam mit den begleitenden Fachlehrerinnen und -lehrern organisiert hat!

Bericht: Daniel Kah, Jahrgangsstufe 2

Bilder: Conny Bruckmann, Jahrgangsstufe 2

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